Hilfe für verfolgte Christen

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Hongkong: Seit Monaten protestieren viele Tausend Menschen, vor allem junge Leute in der 7,4 Millionen-Stadt in Südchina gegen den immer stärker werdenden Einfluss der Kommunistischen Partei aus Peking. Als Hongkong 1997 aus dem Kolonialverhältnis mit Großbritannien entlassen wurde und an China überging, wurde für 50 Jahre ein Sonderstatus ausgehandelt: Hongkong behält seine alten demokratischen Rechte und China akzeptiert „ein Land, zwei Systeme“.

Allerdings versucht China seit langem diese Abmachung in kleinen Schritten zu unterwandern. Chinesische Investoren kauften Medien auf, machten sich Politiker durch Gefälligkeiten gefügig, schickten die Kinder hoher Parteifunktionäre an Hongkonger Schulen, die nach ein paar Jahren die ganze Familie nachholen können. Den Ausschlag für die aktuellen Proteste gab eine Gesetzesvorlage, nach der Verbrecher an Festlandchina ausgeliefert werden sollten. Wer gilt als Verbrecher? Die Demonstranten befürchteten, dass so die Kommunistische Partei Zugriff auf Oppositionelle bekommen würde.

Zu diesen zählen viele Christen, die die Drangsalierung und Verfolgung ihrer Glaubensgeschwister in Festlandchina mit großer Sorge beobachten. Christen spielen in der Protestbewegung eine weit größere Rolle als ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.Auch Joshua Wong, der vor kurzem Deutschland besucht hat und eine der Gallionsfiguren der Protestbewegung ist, ist methodistischer Christ.Es sei kein Zufall, dass im Juni zu Beginn der friedlichen Proteste immer wieder ein Kirchenlied gesungen wurde: Sing Halleluja to the Lord - es wurde zu einer Art Hymne. Das hatte auch eine Schutzfunktion, denn religiöse Versammlungen gelten als nicht genehmigungspflichtig.

Hongkong ist eine religiöse Stadt. Sehr viele führende Schulen sind katholisch. Viele Chinesen waren vom Festland geflohen, weil sie ihren christlichen Glauben frei leben wollten. Sie sind auch kritischer gegen lotalitäre Tendenzen, betont der reformierte Pfarrer Tobias Brandner, der in Hongkong lebt. Die Überwachungskameras in Kirchen, die Zerstörung von Hauskirchen und die Demontage von Kreuzen auf Gotteshäusern am Festland sind für sie ein Warnruf. Trotzdem haben die Gemeinden quer durch alle Konfessionen in China großen Zulauf, besonders bei Gebildeten, Studierten und Mittelständlern als Alternative zum staatlich verordneten Materialismus. Sie sind oft „Kulturchristen“, die den Individualismus im Christentum schätzen, die Hochachtung der Person und die Freiheit.

Auch Carry Lam, die Vorsitzende der Hongkonger Stadtregierung ist Christin. Sie lehnte es ab, in die kommunistische Partei einzutreten, weil sie sonst ihrem Glauben hätte abschwören müssen. Nun ist sie allerdings sehr unbeliebt, weil sie den Demonstranten nicht zuhört. Ihre Position zwischen den Bürgern und der Regierung in Peking gleicht allerdings der Quadratur des Kreises. Seit die Proteste nicht mehr nur friedlich sind, wird die Situation immer gefährlicher.

Beten wir für die Bürger in Hongkong!

Erika Hugl

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